Pilze und ihre Biotope
(von Boris Günter)

Es gibt im Pilzreich eine Reihe von Pilzen, die sehr anpassungsfähig sind. Der Hallimasch (Armillaria mellea) z.B. parasitiert auf allen möglichen Arten von lebenden Bäumen, baut aber auch Totholz ab. Unter den Mykorrhizapilzen zeigen sich Maronenröhrling (Xerocomus badius) und der giftige Kahle Krempling (Paxillus involotus) als recht vielseitig und kommen in verschiedenen Laub- und Nadelwäldern vor. Doch die Regel ist dass Pilze sehr spezielle Anforderungen an Boden, Temperatur, Feuchtigkeit und ggf. den Mykorrhizapartner stellen. Daher soll dieser Text die verschiedenen möglichen Pilzbiotope und ihre typischen Bewohner kurz vorstellen:

Buchenwälder auf sauren Boden

Diese Wälder zählen zu den artenreichsten Biotopen für Grosspilze. Unter dem schattenspendenden Kronen der Buchen kann sich oft nur wenig Grün ansiedeln, dafür entwickelt sich oft eine reiche Pilzflora. Auf sauren Sandböden gedeihen vor allem Buchenwaldformen von Steinpilz (Boletus edulis), Pfifferling (Cantharellus cibarius) und Maronenröhrling (Xerocomus badius) in für Speisepilzsammler lohnenswerten Mengen. Auch Täublinge wie der Frauentäubling (Russula cyanoxantha), Speisetäubling (Russula vesca) und der seltene Grüngefelderte Täubling (Russula virescens), aber auch der brennend scharfe Buchenspeitäubling (Russula mairei) sind gern im Buchenwald zu finden. Auf sauren Böden kann der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus) oft reiche Ernten liefern, aber auch die bitteren Röhrlinge Gallenröhrling (Tylopilus felleus) und Schönfussröhrling (Boletus calopus) sind an saure, allenfalls neutrale Standorte gebunden und meiden alkalische Böden. Der Milchbrätling (Lactarius volemus) hingegen ist auf sauren wie alkalischen Böden zu finden, leider jedoch insgesamt sehr selten geworden. Sehr häufig tritt hingegen das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) an alten Buchenstümpfen in großen Kolonien auf. Dieser Pilz besiedelt auch andere Laubhölzer, ebenso der Austernseitling (Pleurotus ostreatus) und der mächtige Zunderschwamm (Fomes fomentarius) der riesige Fruchtkörper bilden kann.

Buchenwälder auf Kalk

Auf Muschelkalkuntergrund ist die Artenvielfalt des Buchenwaldes noch stark erhöht, oft sind diese Wälder jedoch stark verkrautet. Doch an lichten Stellen an denen kein Unterholz wächst, wachsen oft seltene und spektakuläre Arten, oft nur in kleinen Stückzahlen. Der Netzstielige Hexenpilz (Boletus luridus) vertritt den Flockenstieligen Hexenpilz, der Wurzelnde Bitterröhrling (Boletus radicans) den Schönfussröhrling auf Kalkboden. Unter den Täublingen tritt auf Kalk insbesondere der rotstielige Ledertäubling (Russula olivacea) in großen Mengen auf. Unter den Milchlingen fallen oft Kolonien von Pfeffermilchlingen (Lactarius piperatus) auf die nach scharfen Schmoren gelegentlich gegessen werden, doch auch der ungenießbare Wollige Milchling (Lactarius vellereus) taucht oft an denselben Standorten auf. An wärmebegünstigten Stellen tauchen hin und wieder seltene Röhrlinge auf wie Anhängselröhrling (Boletus appendiculatus), Königsröhrling (Boletus regius), Blauender Königsröhrling (Boletus speciosus), Glattstieliger Hexenpilz (Boletus queletii) und der gefürchtete Satanspilz (Boletus satanas) dessen Ruf wesentlich schlimmer ist als seine tatsächliche Giftwirkung. Der Satanspilz zählt zu einer Gruppe sehr seltener, farbenprächtiger Röhrlinge die mitsamt ihren Biotopen, den wärmebegünstigten, lichten Kalkbuchenwäldern stark zurückgegangen sind. Unter den Knollenblätterpilzen ist der schöne Fransenwulstling (Amanita strobiliformis) sehr auffällig, der aber nicht streng an die Buche gebunden ist, ferner einige seltenere Scheidenstreiflingsarten. Heftige aber selten lebensbedrohende Vergiftungen rufen zwei Pilze der Kalkbuchenwälder alljährlich hervor, der eher wärmeliebende Riesenrötling (Entoloma lividum) und der in höheren Lagen beheimatete Tigerritterling (Tricholoma pardinum). Vor ihnen sollte sich der Pilzsucher hüten.

Eichenwälder

Eichenwaelder zählen zu den an Pflanzen und Tieren reichsten Biotopen und auch Pilze sind hier oft in großer Zahl zu finden. Schon früh im Jahr erscheint der Sommersteinpilz (Boletus aestivalis) der auf Kalk besonders üppig wächst aber auch saure Böden toleriert. Strenger an die Eiche gebunden sind der Eichenmilchling (Lactarius quietus) und der Eichenwirrling (Daedalea quercina), ein häufiger Porling an Totholz. Ebenfalls gern am Stammgrund alter Eichen fruchten der Leberpilz (Fistulina hepatica), die Eichenglucke (Sparassis laminosa), der Eichhase (Dendropolyporus umbellatus) und der Klapperschwamm (Grifola frondosa). Alle diese Arten sind nur zerstreut auftretende Kuriositäten, die besser geschont werden sollten. Gleiches gilt für die ziemlich seltene Eichen-Rotkappe (Leccinum quercinum) die durch ihre rotbraune Stielbeschuppung erkennbar ist und den Fahlen Röhrling (Boletus impolitus), der die Eiche nur auf Kalkböden begleitet. In großen Mengen hingegen kann man in lichten Eichenwaeldern hingegen den Spindeligen Rübling (Collybia fusipes) finden, oft auch Massen von Filzröhrlingen (Xerocomus spec.) die auch in anderen Waldtypen zu finden sind, dort meist jedoch seltener. Doch auch einer der gefährlichsten Giftpilze, der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) wächst im Eichenwald! Auf Kalkböden in wärmeren Lagen Können Eichenwälder auch die begehrten Trüffeln (Tuber spec.) hervorbringen, die in Deutschland aber selten sind.

Edelkastanienwälder

Kastanienwälder sind Eichenwäldern sehr ähnlich und man kann fast die gleichen Arten finden, ein Spezialist jedoch ist der kleine Edelkastanienschalenbecherling (Rutstroemia echinophila) der nur auf abgefallenen Kastanienschalen vom Vorjahr zu finden ist. Oft wurden Kastanienwälder an klimatisch begünstigten Stellen angepflanzt, bei günstiger Witterung kann man dort ausgesprochene Raritäten finden wie den Schwarzen Steinpilz (Boletus aereus), den giftigen Leuchtenden Oelbaumpilz (Omphalotus olearis) und den sehr seltenen Kaiserling (Amanita caesaerea). Diese sporadischen Gäste aus dem Mittelmeerraum sind leider aus Mangel an geeigneten Biotopen sehr selten geworden und bedürfen der Schonung.

Hainbuchenwälder

Die Hainbuche erträgt größere Trockenheit als die Rotbuche und bildet oft mit der Eiche vergesellschaftet ausgedehnte Trockenwälder, gern auf kalkhaltigeren Böden. Neben den Eichensymbionten trifft man in Eichen/Hainbuchenwäldern nicht selten den Hainbuchenröhrling (Leccinum carpini) an, der auch ein brauchbarer Speisepilz ist. Der Hainbuchenmilchling (Lactarius circellatus) ist gleichfalls nicht selten, tritt aber auch unter Hasel auf.

Fichtenwälder

Schattige Fichtenmonokulturen sind leider sehr beliebt geworden und neigen durch die abgelagerte Nadelstreu zu starker Oberbodenversaurung. Dennoch gibt es eine Reihe von Pilzen die in diesem eintönigen Biotop dominieren und oft in großen Mengen zu finden sind. Viel gesucht und auch gefunden werden an solchen Orten Steinpilz (Boletus edulis), Pfifferling (Cantharellus cibarius) und Maronenröhrling (Xerocomus badius). Weniger bekannt doch ebenfalls recht gute Speisepilze sind das Kuhmaul (Gomphidius glutinosus) und der Fichtenreizker (Lactarius deterrimus) der sich vor allem zum Panieren eignet. Von den Täublingen ist vor allem der ungenießbare Stachelbeertäubling (Russula queletii) unter Fichten beheimatet. Der Ockertäubling (Russula ochroleuca) kann im Spätherbst vor allen im Fichtenforst noch in großen Mengen gefunden werden, auch bringen solche Wälder oft zu dieser Zeit interessante Schleierlinge (Cortinarius spec.) hervor. Ein seltenerer Schleierling des sauren Fichtenforsts, der Lila Dickfuss (Cortinarius traganus) gilt als schwach giftiger Doppelgänger des schmackhaften Violetten Rötelritterlings (Lepista nuda) der jedoch nicht nur im Fichtenwald auftritt. Weit gefährlicher ist der recht seltene Spitzkegelige Knollenblätterpilz (Amanita virosa) der typischerweise im Fichtenwald, aber auch gelegentlich unter Eichen vorkommt. An totem Nadelholz findet man den Graublättrigen Schwefelkopf (Hypholoma capnoides), einen guten Speisepilz. Der giftige Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist auch im Laubwald zu finden. Man achte auch sehr auf den tödlich giftigen Gesäumtenten Häubling (Galerina marginata) an diesen Standorten, der vor allem mit dem guten Stockschwämmchen verwechselt werden kann. Gute Speisepilze aber etwas mühselig zu sammeln sind auch verschiedene Schnecklinge (Hygrophorus olivaceoalbus u.a.) und der im Frühjahr erscheinende Fichtenzapfenrübling (Strobilurus esculentus) auf abgefallenen Zapfen. Der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) ziert tote Nadelholzstümpfe und Stämme und kann wie der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) einigen forstwirtschaftlichen Schaden anrichten. Diese beiden Pilze sind nicht streng an Fichtenforsten gebunden aber hier besonders häufig, ebenso der Rotbraune Milchling (Lactarius rufus) der scharf wie ein Schneidbrenner schmeckt und nur nach aufwendiger Vorbehandlung in der Küche verwendet werden kann.

Birkenwälder

Birken Können nährstoffarme Böden besser tolerieren als viele andere Baumarten und treten daher oft an Extremstandorten wie Dünen oder am Rand von Hochmooren auf. Der bekannteste Herold der Birke, der farbenprächtige Fliegenpilz (Amanita muscaria) tritt auch im Fichtenforst auf. Strenger an die Birke gebunden sind u.a. der bekannte Birkenpilz (Leccinum scabrum) und seine zahlreichen Variationen, der brennend scharfe Birkenreizker (Lactarius torminosus) und verwandte Arten, die Birkenrotkappe (Leccinum testaceoscabrum) und eine Reihe von Täublingen: Der scharfe Ausblassende Täubling (Russula exalbicans) auf Dünen, der Grüne Birkentäubling (Russula aeruginea) in Parks und der weithin leuchtende Chromgelbe Graustieltäubling (Russula chlaroflava) auf anmoorigen Standorten, um nur einige zu nennen. Der Birkenporling (Piptoporus betulinus) zeigt seine nierenförmigen Fruchtkörper oft in großer Zahl an abgestorbenem Holz.

Kiefernwälder

Zu den ergiebigsten Standorten Für Grosspilze zählen Kiefernwälder, wie die Birke ist auch die Kiefer dazu imstande extrem nährstoffarme Standorte zu erschließen. Den Reigen eröffnet schon ab März die giftige Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) die in sandigen Nadelwäldern und auf Holzlagerplätzen auftaucht, oft vergesellschaftet mit der Spitzmorchel (Morchella conica). Viele Schmierröhrlingsarten sind streng an zweinadlige Kiefern gebunden und dort oft in großen Mengen zu finden: Auf saurem Boden vor allem der bekannte Butterpilz (Suillus luteus), der Sandröhrling (Suillus variegatus) und der Kuhpilz (Suillus bovinus). Kalkhaltige bis neutrale Böden bevorzugen der Ringlose Butterpilz (Suillus collinitus) und der Körnchenröhrling (Suillus granulatus). Nur unter fünfnadligen Kiefern eingestreut findet man den Elfenbeinroehrling (Suillus placidus) und den Zirbenröhrling (Suillus plorans), ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets sind diese Pilze selten und schonenswert. Auch die Ritterlinge, Täublinge und Milchlinge steuern eine große Zahl von Kiefernbegleitern bei, genannt seien u.a. der im Spätherbst massenhaft auftretende Erdritterling (Tricholoma terreum), die selteneren Arten Grünling (Tricholoma equestre) und Schwarzfaseriger Ritterling (Tricholoma portensum) die gute Speisepilze aber bei Einzelvorkommen eher schonenswert sind. Von den Reizkern oder Milchlingen sei vor allem der Kiefernreizker (Lactarius deliciosus) erwähnt, von den Täublingen die brennend scharfe "Säufernase" (Zitronenblättriger Täubling - Russula sardonia), der schmackhafte Buckeltäubling (Russula coerulea) und der ortshäufige Orangerote Graustieltäubling (Russula decolorans). Mit Ausnahme des etwas kalkholden Erdritterlings und des Kiefernreizkers sind die genannten Arten alle auf eher sauren bis stark sauren Böden zu finden.Am Stammgrund alter Kiefern schmarotzt gelegentlich die Krause Glucke (Sparassis crispa), ein nicht seltener wohlschmeckender Speisepilz.

Lärchenwälder

Viele Lärchensymbionten sind sehr streng an ihren Wirtsbaum gebunden, da die eher montane Lärche in der Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten häufig angepflanzt wurde, fanden die entsprechenden Mykorrhizapilze in der letzten Zeit weitere Verbreitung. Der Goldröhrling (Suillus grevillei) besiedelt fast alle Bodentypen, sofern nur der erwähnte Wirtsbaum vorhanden ist, oft reicht ein einzelner Baum in Parks. Die selteneren Arten Grauer Lärchenröhrling (Suillus aeruginascens) und Rostroter Lärchenröhrling (Suillus tridentinus) folgen der Lärche nur auf Kalkboden. Gern an feuchten Stellen zwischen Torfmoosen fruchtet der Hohlfussröhrling (Boletinus cavipes). Der orangefarbige Lärchenmilchling (Lactarius porninsis) ist vor allen in höheren Lagen anzutreffen. Gleiches gilt für den seltenen Lärchenbaumschwamm (Laricifomes officinalis) der in der Medizin Verwendung fand und ausserhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Lärche kaum zu finden ist.

Weisstannenwälder

Durch Sauren Regen und Sturmschäden sind diese interessanten Biotope in jüngerer Zeit stark zurückgegangen. Die anspruchsvolle Weisstanne bevorzugt kalkhaltige Böden und höhere Lagen mit gleichmäßigen Niederschlägen und kommt daher schon von Natur aus seltener vor. Das gilt dann auch für die entsprechenden Mykorrhizapilze. Da wäre zunächst der Märzschneckling (Hygrophorus marzuolus) zu nennen, ein Speisepilz der unmittelbar nach der Schneeschmelze erscheint, in einigen Regionen der Südalpen noch häufig aber in Süddeutschland fast ausgestorben ist. Häufiger zu finden ist der Lachsreizker (Lactarius salmonicolor), ein guter Speisepilz. Der ebenfalls schmackhafte Mohrenkopfmilchling (Lactarius lignyotus) ist neben Tannen auch unter Fichten zu finden, kommt jedoch auch nur in hoeheren Lagen vor. Auch viele Haarschleierlinge (Cortinarius spec.) sind in den Kalkgebieten unter Tannen zu finden, einige von ihnen nur in eng umgrenzten geographischen Gebieten. Am Stammgrund von alten Weisstannen findet man selten die eßbare Tannenglucke (Sparassis nemecii) und den ungenießbaren Bergporling (Bondarzewia montana). Die Blutrote Borstenscheibe (Hymenochaete cruenta) , ein weiterer typischer Tannenbewohner, wächst hingegen hoch in den Kronen der Bäume.

Erlenwälder

Erlen lieben reiche, feuchte Böden und bilden oft ausgedehnte Sumpfwälder mit nur wenig Grosspilzen. Einer der wenigen Speisepilze des Erlenbruchs ist der Erlengrübling (Gyrodon lividus). Leider kommt dieser interessante Röhrling nur in wenigen Gebieten so zahlreich vor, das man ihn guten Gewissens sammeln kann, im Bodenseegebiet scheint er häufiger zu sein. Erheblich seltener ist der Erlenstreifling (Amanita friabilis). Zu den seltenen Erlenbegleitern zählt auch der Erlenkrempling (Paxillus filamentosus) der früher als Varietät des Kahlen Krempling angesehen wurde. Auch einige Milchlinge sind streng an Erlen gebunden, darunter ist z.B. der kleine Olivbraune Erlenmilchling (Lactarius obscuratus) relativ häufig zu finden. Auf abgefallenen Erlenkätzchen vom Vorjahr wächst im Frühjahr der Erlenkätzchenbecherling (Ciboria amentacea). Der oft sehr nährstoffreiche Bruchwaldboden bringt zumeist auch eine Vielzahl von kleinen Schirmlingen und Becherlingen hervor.

Pappelwälder

Zwei stattliche Rauhfussröhrlinge locken den Pilzsucher in die Pappelbruchwälder die ebenfalls meist auf feuchterem Untergrund stehen: Der seltene Pappelröhrling (Leccinum duriusculum) und die häufigere Espenrotkappe (Leccinum aurantiacum), wie der Name sagt kommt die letztere allerdings nur unter Zitterpappeln vor. Ebenfalls an Pappelarten gebunden sind der Pappelritterling (Tricholoma populinum) und der häufige Pappelschüppling (Pholiota destruens), ein Totholzbesiedler.

Eschenwälder

Auch diese Bäume sind in Auwäldern bevorzugt anzutreffen. Eschen sind keine guten Mykorrhizabildner, doch es gibt eine Reihe von Holzbewohnern die sich auf das Eschenholz spezialisiert haben, darunter der auch auf Robinie zu findende Eschenbaumschwamm (Perenniporia fraxinea) und der Wabenporling (Polyporus mori). In den Auwäldern unter Eschen findet der geneigte Sucher im Frühjahr oft die erlesenen Speisemorcheln (Morchella esculenta und Variationen) und Halbfreie Morcheln (Mitophora semilibera).

Andere Wälder

Einige Bäume wie Ahorn, Roßkastanie, Robinie etc. bilden nicht oder kaum mit Grosspilzen Mykorrhiza und man kann hier nur Parasiten und Saprophyten erwarten. In Ahornwäldern findet man oft an abgefallenen Blättern einen kleinen Schlauchpilz, den Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum). Robinien werden verstärkt nicht nur vom Eschenbaumschwamm sondern auch vom Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) befallen, der auch als Speisepilz nicht zu verachten ist. Nicht selten befällt der Schwefelporling auch alte Obstbäume, vor allem Kirschen und Pflaumen auf denen man auch den wesentlich weniger aggressiven Pflaumenbaum-Feuerschwamm (Phellinus pomaceus) findet. Auf alten Apfelbäumen findet man oft die geschwärzten Reste des Apfelbaum-Schillerporlings (Inonotus hispidus). Ulmenholz ist das bevorzugte Substrat Für den Ulmenrasling (Lyophyllum ulmarium) und den Wolligen Scheidling (Volvariella bombycina), beide recht selten. Weidenholz bringt oft große Mengen von Samtfussrüblingen (Flammulina velutipes) hervor! Exotische Pilze wachsen oft unter exotischen Bäumen, oft genügen Einzelexemplare in Vorgärten und Parks. Neben den bereits erwähnten Schmierröhrlingen unter Weymouthskiefern und Zirben sei hier der Zedern-Sandborstling (Sepultaria sumneriana) genannt. Unter Douglastannen wächst außerordentlich selten der Douglasienröhrling (Boletinus landkammeri).

Äcker und fette Wiesen

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind diese Biotope und die dazugehörigen Pilze stark in Ausbreitung begriffen. Schopftintling (Coprinus comatus), Großer Scheidling (Volvariella speciosa), Raslinge (Lyophyllum spec.) und Riesenbovist (Langermannia gigantea) siedeln sich gern auf überdüngten Äckern und Wiesen an. Nach warmen Regenfällen bringen Champignonarten (Agaricus campestris u.a.) oft reiche Ernten. In an Felder grenzenden Hecken, Brombeerdickichten und Waldstreifen sind weithin wahrzunehmende Stinkmorcheln (Phallus impudicus) zu finden. All diese Pilze sind nitratliebend und von der Eutrophierung der Landschaft bevorteilt.

Komposthaufen

Ein extrem nährstoffreiches Biotop sind beschattete Komposthaufen, hier sind neben Schopftintlingen, Großen Scheidlingen und Stinkmorcheln noch einige weitere interessante Arten zu finden. Der Kompostchampignon (Agaricus vaporarius) bricht an solchen Standorten oft in dichten Büscheln aus der Erde. Der Gartenschirmling (Macrolepiota bohemica) ist eine hellere kompaktere Form des in Wäldern verbreiteten Safranschirmlings (Macrolepiota rhacodes). In den letzten Jahren wurden Vergiftungen mit dem Gift-Riesenschirmling (Macrolepiota venenata) gemeldet, der die gleichen Standorte besiedelt. Ähnliche Symptome erzeugt der Verzehr des Karbolchampignons (Agaricus xanthodermus und Verwandte) der auch in Wäldern zu finden ist.

Misthaufen und Fäkalien

Auf diesem wenig appetitlichen Standort findet man viele Kleinpilze, unter anderem Tintlinge (Coprinus spec.), Düngerlinge (Panaeolus spec.), den hübschen Goldmistpilz (Bolbitius vitellinus) und zahlreiche Becherlinge. Der Blasige Becherling (Peziza vesiculosa) gilt als essbar, kommt jedoch auch auf Holzlagerplätzen und auf Sägemehl vor und wirkt an solchen Standorten Für die Küche appetitlicher.

Holzlagerplätze

Eine Reihe von Pilzen ist auf Holzlagerplätzen besonders reichlich zu finden. Viele zerstreut auftretende Totholzbewohner treten hier in besonders üppigen Mengen auf. Die bereits erwähnten Arten Fruehjahrslorchel, Spitzmorchel und Blasiger Becherling kommen hier oft in großen Mengen vor. Im Herbst wächst recht selten die der Fruehjahrslorchel nah verwandte Bischoffsmütze (Gyromitra infula) gern bei Nadelholzstümpfen in höheren Lagen. Lagerndes Holz wird recht schnell vom Spaltblättling (Schizophyllum commune) und von Schichtpilzen (Stereum spec.) befallen, später kommen zahlreiche Porlingsarten dazu.

Brandstellen

Auf vorjährigen Brandstellen findet man mit Glück Kohleleistling (Faerberia carbonaria), Kohlebecherling (Geopyxis carbonaria), Kohleschüppling (Pholiota carbonaria) und die Wurzellorchel (Rhizina undulata). Auch Spitzmorcheln treten gelegentlich auf Brandstellen auf.

Magerwiesen

Durch Ueberdüngung sind viele Pilze nährstoffarmer Wiesen stark zurückgegangen. Insbesondere Saftlinge (Hygrocybe spec.) und Ellerlinge (Camarophyllus spec.) treten meist auf Trockenrasen und Wiesen auf. Der Wiesenstaubbecher (Vascellum pratense) und weitere Kleinboviste aus den Gattungen Lycoperdon und Bovista sind nicht selten auf Trockenrasen zu finden, der größere Hasenbovist (Calvatia utriformis) kommt dagegen nur zerstreut vor. Der Nelkenschwindling (Marasmius oreades) bildet auf Magerwiesen oft reiche Hexenringe, kommt aber auch in Gärten vor.

Dünen

Küsten- und Binnendünen beherbergen einige interessante Besonderheiten. Die Dünen - Stinkmorchel (Phallus hadriani) ist von der viel häufigeren gewöhnlichen Stinkmorchel durch ein hübsch lila gefärbtes Hexenei unterschieden. Der Dünenchampignon (Agaricus bernadii) fruchtet auch manchmal an Autobahnrändern mit erhöhtem Sandgehalt. Auf Sandrasen ortshäufig wächst der Zitzen-Stielbovist (Tulostoma brumale).

Halden

Die Braunkohlehalden des Saarlandes und der Kölner Bucht stellen oft interessante Fundorte Für seltene Täublings- und Ritterlingsarten dar. Der Erbsenstreuling (Pisolithus arhizus) bringt auf Halden oft besonders üppige Fruchtkörper hervor.

Hochmoore

Die extrem nährstoffarmen Hochmoore sind in der Regel mit wenig Bäumen bewachsen, lediglich Kiefer und Birke Können sich an solchen Standorten halten. Viele Pilze wie der Gelbe Graustieltäubling treten unter Birken bevorzugt an den Rändern der Hochmoore auf. Der seltene Moorröhrling (Suillus flavidus) wächst hingegen unter Kiefern. Der Sumpfhaubenpilz (Mitrula paludosa) ist an vernässten Stellen nicht selten, oft direkt im Wasser! Zwischen Torfmoosen tauchen verschiedene Häublinge (Galerina spec.) auf.

Gärten

Gärten beherbergen naturgemäßes die meisten Arten der Wiesen, Äcker und Komposthaufen, plus ein paar eingeschleppte Besonderheiten. Der Gelbe Faltenschirmling (Leucocoprinus birnbaumii) wächst oft in Pflanzkübeln. Eine große Rarität ist die Gitterkugel (Clathrus ruber), die gelegentlich in botanischen Gärten auftaucht. Der nahe verwandte Tintenfischpilz (Clathrus archeri) ist häufiger, kommt aber mehr in Wäldern vor. Morcheln, Champignons und der Nelkenschwindling treten nicht selten auch in Gärten auf.